Hunde fressen gerne Pferdeäpfel. An und für sich nicht beunruhigend. Ausser eine solche Ausscheidung entstammt von einem Pferd, dass mit einem Ivermectin haltigen Präparat entwurmt worden ist und der Hund eine solche Ivermectin-Unverträglichkeit aufgrund des Gendefektes MDR1 hat. Das P-Glykoprotein dieses MDR1-Gens verhindert, dass sich körperfremde Substanzen, wie in Medikamente vorhanden sind, im zentralen Nervensystem ablagern, die sogenannte Blut-Hirn-Schranke. Bereits bei niedriger Dosierung zeigt sich eine neurotoxische Wirkung, deren klinische Symptome sind Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Dosorientiertheit, Zittern, Erbrechen, Atembeschwerden bis zu komatösen Zuständen. In diesem Fall keine Zeit verlieren und sofort die nächste Tierarztpraxis aufsuchen!
Der MDR1-Gendefekt kann über einen DNA-Test (mittels Blutprobe) festgestellt werden und findet sich bei folgenden Hunderassen und deren Mischlinge:
Collie, Sheltie, Aussie, Border Collie, Bearded Collie, Bobtail, Welsh Corgie, austr. Cattle Dog, Kelpie, Berger Blanc Suisse (Weisser Schäferhund), English Shepherd, Langhaar-Whippet, Silken Windhund, Amerikanischer MacNab, Wäller.
Vor Kurzem wurde auch bei einer Berner Sennenhündin, 6-jährig, rasserein mit Stammbaum, nach dem Fressen von Pferdeäpfeln eine solche Vergiftungserkrankung von der Tierklinik in Hünenberg/ZG diagnostiziert und erfolgreich behandelt. Die Hündin wurde während eineinhalb Tagen mit einer Elektrolytlösung gespühlt (Infusionstherapie) und erholte sich vollständig.
Wichtig zu erwähnen an dieser Stelle ist, dass der MDR1-Gendefekt ebenso auf die Wirkstoffe Loperamid, Cyclosporin und Digoxin reagiert.